2007, drei Jahre nach der Gründung des Zweckverbandes Elektronische Verwaltung für saarländische Kommunen – eGo-Saar –, wurde der Startschuss für das kommunale Netz des Saarlandes – eGo-NET – gegeben. Ziel war es, alle Mitglieder des Zweckverbandes sicher und kostengünstig zu vernetzen, um so Ressourcen zu bündeln und Dienstleistungen auszutauschen.
Alle Verwaltungen und Institutionen des Verbandes wurden nach und nach mittels eines skalierbaren VPN-Netzes miteinander vernetzt und so in die Lage versetzt, untereinander Dienstleistungen auszutauschen. Die Kopplung des kommunalen Netzes mit dem Landesdatennetz, und somit dem TESTA-D-Netz (das TESTA-D-Netz verbindet die Verwaltungsnetze des Bundes, einzelner Bundesbehörden, der Länder und der Kommunen miteinander und ermöglicht einen verwaltungsnetzübergreifenden, sicheren und schnellen Datenaustausch), heute DOI-Netz, ermöglichte zusätzlich den Zugriff auf eine Vielzahl von Anwendungen, die bisher nur per ISDN nutzbar waren. Diese Kopplung hat in vielen Kommunen erhebliche Einsparungen mit sich gebracht.
Mittlerweile hat sich das eGo-NET zum Dreh-und Angelpunkt in vielen Aktivitäten des Zweckverbandes entwickelt und stellt zwischenzeitlich den Mitgliedsverwaltungen des eGo-Saar eine Vielzahl an Diensten zur Verfügung, wie z.B:
– Gemeinsamer Betrieb der AutiSta Software für 26 Kommunen im Rechenzentrum des Informations-und Kommunikationsinstitutes Saarbrücken. AutiSta ist ein Softwaresystem und steht für „Automation im Standesamt“. Hierbei handelt es sich um ein Fachverfahren, das den Standesbeamten bei allen Aufgaben, für die er aufgrund des Personenstandsgesetzes zuständig ist, unterstützt.
– Die Belieferung des gemeinsam betriebenen Melderegisters wurde in allen Kommunen auf das kommunale Netz umgestellt und automatisiert. Diese Umstellung führte eine größere Verlässlichkeit der Belieferung mit sich und beseitigte Belieferungsengpässe. Mit der Nutzung des gemeinsamen Netzes konnte die elektronische Melderegisterauskunft auch allen berechtigten Ämtern in den Kommunen zur Verfügung gestellt werden.
– Durch den Zugang zum DOI-Netz, ehemals TESTA-D-Netz, konnten die Mitglieder in die Lage versetzt werden, Dienste der Bundesbehörden zu nutzen, wie z.B.:
• Anfragen und Übermittlungen an das Kraftfahrtbundesamt
• Zugang zur Bundesdruckerei
• Anfragen an das Bundesamt für Justiz bzw. Bundeszentralregister
• Nutzung der Infothek der Bundespolizei
• Nutzung des Verfahrens „Antrag Online“ der Deutschen Rentenversicherung
Über das DOI-Netz ist eGo-NET auch mit anderen Landesnetzen, beispielsweise dem kommunalen Netz in Rheinland-Pfalz, verbunden und ermöglicht so weitere Synergieeffekte.
– Mit eGo-INTERN, dem kommunalen Intranet, werden allen Bediensteten der Verwaltungen aktuelle, vertrauliche Informationen des Zweckverbandes rund um die Uhr zur Verfügung gestellt. Der interne – passwortgeschützte Bereich – im Internet wird mittelfristig abgelöst und im eGo-INTERN aufgehen, ergänzt durch virtuelle Arbeitszimmer. Mit der Schaffung von virtuellen Arbeitszimmern wird eine effiziente Zusammenarbeit im Verband noch einfacher und schneller.
– Das gemeinsam beschaffte Formularmanagement System steht allen Verwaltungen ebenfalls zur Verfügung. Mittels des Systems wurden die Anträge auf Briefwahl für alle Wahlen in 2009 zur Verfügung gestellt; sie werden auch künftig für die anstehenden Wahlen, insbesondere Bürgermeister-und Landratswahlen, zur Verfügung gestellt.
Für die Wahldatenübermittlung im vergangenen Superwahljahr und bei der Landtagswahl 2012 stellte das Netz eine problemlose und verlässliche Lösung dar.
Auch für die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie auf kommunaler Ebene spielten das kommunale Netz und das Formularmanagement System eine zentrale Rolle. Die Kommunen wurden rechtzeitig zum Zieltermin (28. Dezember 2009) in die Lage versetzt, Gewerbean-, -um-, und -abmeldungen – sowohl aus dem europäischen Ausland als auch aus dem Inland – elektronisch (auch digital signiert) entgegenzunehmen. Für alle anderen relevanten Anfragen wurden die Gemeinden und mittlerweile auch die Landkreise sowie der Regionalverband Saarbrücken mit einem Kontaktformular ausgestattet. Durch die Kopplung der beiden Systeme im Landesnetz und im kommunalen Netz ist es möglich, die Anträge im sicheren Netz abzuholen und zu bearbeiten.
Die Verfügbarkeit und die Qualität des Netzes werden ständig durch die Geschäftsstelle des eGo-Saar überwacht; so wurde eigens für diese Aufgabe ein Monitoring System auf Basis der freien Software NAGIOS aufgebaut und mit Centreon erweitert . Der Zustand der VPN-Verbindungen zu den Kommunen und der bereitgestellten Dienste stehen ständig unter Beobachtung. Bei auftretenden Störungen werden automatisiert Nachrichten an die zuständigen Mitarbeiter verschickt und es wird umgehend für eine Problemlösung gesorgt.
Eine immer engere und vertrauensvollere Zusammenarbeit mit den Dienstleistern der Kommunen ermöglicht kürzere Reaktionszeiten. Nach gut drei Jahren Überwachung und Analyse des Netzes muss man die Richtigkeit des 2007er-Ansatzes bestätigen. Die Entscheidung für ein VPN-Netz hat es möglich gemacht, in einem überschaubaren Zeitraum alle Mitglieder kostengünstig zu vernetzen und so die Zusammenarbeit zu festigen.
Die Zugangskosten für die saarländischen Verwaltungen sind z.B. um circa Faktor 10 günstiger als im Nachbarland Rheinland-Pfalz und dies bei einer Verfügbarkeit von rund 97 %.
Auch die Verdoppelung der Bandbreite in Richtung DOI-Netz und die Schaffung einer redundanten Anbindung an die ZDV Saar konnte man gegen eine nur sehr moderate Erhöhung des Zugangspreises an die Kommunen weitergeben.
Die Weiterentwicklung und Anpassung des Netzes an die immer anspruchsvolleren Aufgaben ist für den Zweckverband eine Selbstverständlichkeit und immer im Blickfeld.
Die Einführung des gemeinsamen Dokumentenmanagementsystems der Firma MACH AG, die Umstellung im Bereich des Personenstandswesens und viele weitere Projekte stellen immer wieder neue Anforderungen an das kommunale Netz.
Die Erhöhung der Brandbreiten, die Schaffung noch größerer Sicherheit und die Herstellung besserer Verfügbarkeit sind Themen, die ständig auf der Tagesordnung des zuständigen Kompetenzteams „IT-Technik, Betrieb und Netze“ stehen und selbstverständlich auch regelmäßig mit den Betreibern des Kernnetzes (IKS Saarbrücken, Mittelstadt St. Ingbert und Mittelstadt Völklingen) und dem Land (ZDV Saar) erörtert werden.
Die Einbindung der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit des Saarlandes in allen Phasen des Projektes und bei der Freigabe von Verfahren über das kommunale Netz war für die Geschäftsstelle des eGo-Saar von Anfang an eine Selbstverständlichkeit.
Mit eGo-NET hat der eGo-Saar den saarländischen Verwaltungen ein effizientes, verlässliches und zukunftssicheres Werkzeug zur Hand gegeben. Das kommunale Netz eGo-NET ist ein gelungenes Beispiel für verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit und der Schaffung von Synergieeffekten, das spürbare finanzielle Entlastungen mit sich bringt.